Maschinensturm
Ein Film von Christian Bau, Maria Hemmleb und Manfred Oppermann
Deutschland 1987, Video, Farbe u. s/w, 45 Minuten
Die Filmemacher
Uns war vor Drehbeginn klar, daß sich überall Menschen gegen Maschinen
und die Arbeit wehren. Wir hörten und lasen Berichte von Aktionen
gegen die strukturelle Gewalt neuer Technologien. In England stießen
wir auf den Begriff "Luddismus"; in den Kämpfen der englischen
Bergarbeiter und Drucker erlangte dieses Wort, das mit einer langen
Tradition verbunden wird, eine neue politische Aussagekraft. Luddismus
bedeutet auf deutsch Maschinensturm. Wir fragten uns nach Parallelen
zwischen den Kämpfen der Maschinenstürmer des vorigen Jahrhunderts
und den verschiedenen Widerstandsformen heute. Überraschend war
für uns die Stärke und das Ausmaß der luddistischen Bewegung.
- Geplantes Vorgehen, - direkte Aktionen, - klar gesteckte Ziele,
darin lag und liegt die große Gefahr für die Herrschenden. Bei
den weiteren Recherchen wurde uns langsam klar, warum soviel unternommen
wird, den Begriff "Maschinensturm"und die Erinnerung daran vergessen
zu machen; warum "Maschinenstürmer" als Schimpfwort benutzt wird.
Wir begriffen, daß diese Taktik funktionierte: Maschinensturm
ist ein Tabu-Thema. "Wir können den Fortschritt nicht aufhalten,
noch dürfen wir es, auch wenn er uns umbringt", lautet ein Zitat
aus dem Film. Wir, die Filmemacher/in, nennen uns fortschrittlich.
Aber dürfen wir als fortschrittliche Menschen gegen den Fortschritt
sein? In unseren zahlreichen Interviews stießen wir auf soviel
Wut, Abneigung und Haß gegen Maschinen, daß die Schilderungen
von geglückten, gescheiterten oder erträumten Versuchen, sich
gegen sie aufzulehnen, nicht als sporadische, bedeutungslose Affekthandlungen
gewertet werden können. Aus diesem Grund zeigt der Film die aktuellen
Auseinandersetzungen in ihrem geschichtlichen und ideologischen
Rahmen. Dadurch wird die momentane Schwäche, aber auch die verborgene,
vorhandene Stärke sichtbar.
Preis der deutschen Filmkritik, 1987
Regie, Schnitt Christian Bau, Maria Hemmleb, Manfred Oppermann | Kamera Manfred Oppermann | Musik und Geräusche Roland Musolff, Horst Siewert
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