
Das Neue Hamburg
Ein Film von Manfred Oppermann und Christian Bau
Deutschland, 1985, 16mm, s/w, 70 Minuten
1937 wurde im Auftrag Hitlers ein Wettbewerb unter den bedeutendsten
Architekten Deutschlands ausgeschrieben. Aufgabe war die Neugestaltung
des Hamburger Elbufers. Das Gesicht der Stadt sollte von der Alster
an die Elbe verlegt werden. Neben Berlin, Linz, Nürnberg und München
wurde die Hansestadt damit zur "Führerstadt" erklärt. Repräsentations-
und Verwaltungsbauten für die Partei und die private Wirtschaft
sollten neu entstehen. Der Hamburger Architekt Konstanty Gutschow
gewann den Wettbewerb. Eine ausführliche Planung begann, die,
vom Elbufer ausgehend, zu Beginn der vierziger Jahre über ganz
Hamburg ausgedehnt wurde und erst 1945 ihr vorläufiges Ende fand.
In den Köpfen der Städteplaner waren die Wohnviertel, die den
Neubauten weichen mußten, meist Arbeiterviertel, "disponible Objekte".
Im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus,
der aus genau diesen Vierteln kam, muß der Begriff "Sanierung"
neu betrachtet werden .
1938 kaufte ein Tarnunternehmen der SS ein stillgelegtes Klinkerwerk
in Neuengamme. Das Konzentrationslager entstand. Zwei Jahre später
kam es zwischen Hamburg, dem Reich und der SS zum Vertragsabschluß
über die jährliche Lieferung von 20 Millionen Steinen für die
Neugestaltung. Geplant wurde bis ins Detail, selbst Hamburger
Künstler wurden schon auf ihre kommenden Aufgaben vorbereitet.
Im Film wird die Planung anhand bisher unbekannten Materials im
Einzelnen vorgestellt, wodurch ein lebendiges und differenziertes
Bild über diese Zeit vermittelt wird. Die an dem Vorhaben beteiligten
Architekten werden befragt. Sie reflektieren ihre damalige Tätigkeit
und Funktion. Eine besondere Rolle in ihren Erinnerungen nimmt
das Wissen um die Existenz und Funktion des KZ Neuengamme ein.
Die Kriegszerstörung Hamburgs, eine Folge faschistischer Politik,
bildet das Ende des Films und animiert den Städteplaner noch einmal
zu einer Vision: "Dem allergrößten Teil der baulichen Zerstörungen
weinen wir keine Träne nach. Das Bild der Trümmer rührt uns nicht
in der Seele, vielmehr läßt es nur um so deutlicher und lebendiger
das Bild des zukünftigen Hamburgs, des Neuen Hamburg, vor unseren
Augen entstehen."
Regie Manfred Oppermann, Christian Bau | Kamera Manfred Oppermann | Ton Christian Bau | Mitarbeit Niels Gutschow, Maria Hemmleb, Michaela Treite, Ludwig Ulrich