Shiva’s Places

Benares – Varanasi
Ein Film von Christian Bau und Niels Gutschow
Deutschland 2006, 83 min.

“Darum lassen die Steine, ohne sie auch nur im geringsten aufzuhalten, die allermeisten ins Erwachsenenalter gelangten Menschen vorbeigehen. Diejenigen aber, die sie wider Erwarten zurückhalten, geben sie im allgemeinen nicht mehr frei. Überall, wo sich die Steine drängen, ziehen sie die Menschen in ihren Bann und machen aus ihnen gern so etwas wie verkehrte Astrologen…”
André Breton

Benares – Varanasi
Schon seit altersher ist von der Stadt des Lichts (City of light) die Rede. Den Besucher umgibt ein merkwürdig gleißendes Licht. Die enge historische Stadt erstreckt sich in weitem Bogen parallel zum Ganges. Am jenseitigen Ufer eine glitzernde Sandwüste, zurückgelassen von den Fluten des Monsuns. Glimmer und Wasser werfen das Licht zurück auf das überbaute Hochufer. Die Stadt leuchtet!
In Benares gibt es Tausende von Tempeln, unprätentiöse Gebäude, die als Behausungen dienen für phallusartige Steine, lingas, die im täglichen Ritual als Repräsentation Shivas verehrt werden. Über Assoziationen hinaus sind die Steine vor allem Manifestationen des Ortes – Handhabung der Götter. Deshalb gibt es die Vorstellung, dass diese Steine nicht von Menschenhand gemacht und installiert wurden, sondern “ohne zutun” entstanden. Einst aufgefunden, waren sie einfach da. Deshalb sind sie auch unverrückbar. Manchmal sucht man sie mehrere Geschosse unter dem heutigen Stadtniveau, als Demonstration der Kontinuität des Ortes. Meist haben diese Steine einen Namen, der über Shiva hinaus weitere Assoziationen herstellt, zum Kosmos, zu mythischen Ereignissen und sagenhaften Sehern der Frühzeit. Das diesen Steinen gewidmete tägliche Ritual ist Ausdruck einer Religion der Orte.